Von Katja Thiele-Hann, langjährige Geschäftsführende Gesellschafterin bzw. Geschäftsführende Teilhaberin der Bäckereien Thiele (Göttingen) und Apel (Kassel)
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Die Wahl des richtigen Backgutträgers entscheidet maßgeblich über Krustenfarbe, Backzeit, Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Wer Material, Form und Beschichtung gezielt auf sein Produkt abstimmt, spart Energie, reduziert Ausschuss und erzielt gleichmäßigere Ergebnisse. Dieser Artikel fasst Grundlagen für die Praxis zusammen.
1. Material bestimmt Wärmeleitung und Bräunung
Jedes Material verhält sich beim Backen anders, weil es Wärme unterschiedlich schnell aufnimmt und weitergibt:
+ Blankes Stahlblech leitet Wärme sehr gut und ist stabil, rostet aber leicht und wird daher meist beschichtet oder oberflächenbehandelt eingesetzt.
+ Aluminium ist das Standardmaterial im Handwerk, besonders für Brötchen und Feingebäck. Es ist leicht, backt gleichmäßig und liefert gutes Temperatur-Feedback, erreicht aber nicht die Festigkeit von Stahl. Reinaluminium ist wegen mangelnder Hitzebeständigkeit ungeeignet. Üblich sind heute Legierungen wie AlMn.
+ Blauglanzblech (Schwarzblech) leitet Wärme durch seine dunkle Oberfläche besonders gut und sorgt für kräftige Bräunung. Es ist jedoch rostanfällig und verträgt weder Feuchtigkeit noch Säure. Für Sauerteig oder Gär-/Frostbereiche ist es ungeeignet. Vor dem Einsatz muss es eingefettet und trocken gelagert werden.
+ Aluminiertes Stahlblech verbindet die Festigkeit von Stahl mit der Korrosionsbeständigkeit von Aluminium, eignet sich aber nicht für Lochbleche, da die Innenseiten der Löcher nicht mitbeschichtet sind.
+ Edelstahl (Chromnickel- bzw. Chromstahl) ist hygienisch, korrosions- und säurebeständig, dafür schwerer als Aluminium und neigt bei Temperaturwechseln zum Verziehen. Unbeschichteter Edelstahl reflektiert Hitze stark, was die Backzeit verlängert, und es erfordert erfahrenes Personal beim „Einbacken“ neuer Bleche.
+ Silikon leitet schlecht, bräunt daher verhalten und verlängert die Garzeit oft um 5–15 %.
Faustregel: Dunkle, gut leitende Materialien (Stahl, Blauglanzblech) bräunen schnell und kräftig. Hier lohnt es sich, die Temperatur um 10–15 °C zu senken. Helle oder schlecht leitende Materialien (Glas, Silikon, unbeschichteter Edelstahl) brauchen mehr Geduld und etwas längere Backzeiten.
2. Materialstärke: Stabilität hat ihren Preis
Bei Aluminium- und Stahlblechen haben sich Standardstärken etabliert: Edelstahl meist 1,0 bis 1,5 mm, Aluminium 1,5 mm für 3-Rand-Bleche bzw. 2,0 mm für maschinell geputzte 2-Rand-Bleche. Dünnere Bleche verziehen sich leichter und erzeugen Hotspots. Ein kritischer Blick auf die tatsächliche Materialstärke lohnt sich beim Einkauf.
3. Blecharten
Die Fläche des Trägers steuert den Wärmeübergang von unten:
+ Vollbleche eignen sich für auslaufende oder weiche Teige – Kuchen, Tortenböden, Blechkuchen – sowie für Produkte, die direkt im Blech geschnitten werden.
+ Lochbleche kommen bei allem zum Einsatz, was von kräftiger Unterhitze profitiert: Brötchen, Kleingebäck, freigeschobenes Brot. Je größer die Löcher (3 mm Standard, 5 mm etwa für Brezeln), desto mehr Unterhitze – desto größer aber auch die Gefahr des „Einpilzens“ bei weichem Teig.
4. Volumen und Füllhöhe richtig umrechnen
Beim Wechsel der Formgröße zählt vor allem das Volumen bzw. die Füllhöhe:
+ Neue Füllhöhe = Teigvolumen ÷ neue Grundfläche.
+ Beispiel: Der Wechsel von einer 26-cm- (≈ 530 cm²) auf eine 24-cm-Springform (≈ 450 cm²) erhöht die Füllhöhe um rund 18 % – die Mitte braucht dann länger zum Stocken.
+ Bei Kastenformen hilft das Litermaß: Reicht ein Rezept für 1,5 l und die vorhandene Form fasst nur 1,0 l, füllt man etwa zwei Drittel der Teigmenge ein und backt den Rest z. B. als Muffins.
5. Form vorbereiten: Fetten, Mehlen, Auskleiden
+ Springform/Tarteform: Bodenpapier zuschneiden, Rand fetten und mehlen.
+ Kastenform: Ein langer Backpapierstreifen mit Überstand verhindert Klemmen in den Ecken und dient gleichzeitig als Hebehilfe.
+ Reliefformen/feine Kanten: immer fetten und mehlen oder mit Paniermehl bzw. feinem Grieß auspudern, um eine mikrodünne Trennschicht zu erzeugen.
+ Beschichtete Formen sind komfortabel, reagieren aber empfindlich auf Metallwerkzeuge – zum Lösen eignen sich weiche Teigkarten oder ein Messer mit abgerundeter Spitze.
+ Unbeschichtete Metallformen profitieren vom klassischen Einfetten/Mehlen oder von zugeschnittenem Bodenpapier.
6. Beschichtungen
Beschichtungen verhindern das Anbacken und schützen zugleich den Blechkern – echte Laugen- oder Säureresistenz erreicht meist nur das Trägermaterial selbst, nicht jede Beschichtung. Bei gelochten Blechen gilt: Nur wenn auch die Innenseiten der Bohrungen mitbeschichtet sind, entfaltet die Beschichtung ihre volle Wirkung – ein Blick durch die Lupe schafft Klarheit.
7. Blechrand: Stabilität versus Reinigung und Stapelbarkeit
Je weniger und je flacher die Ränder, desto leichter die Reinigung, aber desto geringer auch die Stabilität. Zweiseitige 45-°-Ränder lassen sich deutlich besser automatisch stapeln als dreiseitige senkrechte Ränder. Dafür bieten 3- oder 4-Seiten-Ränder mehr Steifigkeit. Wichtig für die Ofenpraxis: Der stabilisierende Rand sollte immer quer zur Führungsschiene im Ofen bzw. Gestell verlaufen. Gerade in Etagenbacköfen ist eine plane, verwindungssteife Form entscheidend, da sonst ungleichmäßige Kontaktwärme zu ungleichmäßigem Ausbacken führt.
8. Abmessungen richten sich nach dem Ofen
In Deutschland haben sich für Backbleche die Euronorm-Größen etabliert, allen voran 60 x 40 cm. Größere Öfen nutzen bei gleicher Breite die doppelte Tiefe (z. B. 60 x 80 cm oder 58 x 78 cm). Es gibt zudem 60 x 100 cm sowie kompakte 60 x 60 cm oder 33 x 44 cm für kleinere Ofenmodelle. Die Blechgröße ist letztlich immer eine Frage der Ofenkammer.
Tipps aus dem Betriebsalltag
+ Zum Thema Einbrennen der Bleche: Bitte mit dem Hersteller der Bleche abstimmen, ob dies erforderlich ist. Bei uns in der Bäckerei führte das Einbrennen von Blechen einmal zu einer Überhitzung der Abluftanlage (keine gute Idee).
+ Welche Bleche/Kästen passen zu meinen Produkten? Grundsätzlich gilt: Der Backträger muss zum Produkt passen, nicht umgekehrt. Qualitätsaspekte wie eine ausreichende Unterhitze oder Spezialformen wie Wasserbad-Kastenformen, Dampfgarsysteme für Kastenbrote, Conze-Backkästen etc. sollten beim Lieferanten angesprochen werden. In unserem Betrieb wurden zum Backen von Baguettes gerne Lisetten genutzt. Heute würde ich wie die Franzosen vorgehen und die Baguettes in Leinentücher (Couch) einschlagen und dann ggf. direkt auf Herdplatte oder Lochblech backen.
+ Welche Bleche/Kästen passen zu meinen Öfen und Blechputzmaschinen? Der Ofentyp gibt die Backgutträger vor. Dies sollte bei der Auswahl eines neuen Ofens mitgedacht werden, anderenfalls müsste eine neue Grundausstattung einkalkuliert werden. Auch die Blechputzmaschine muss mit den Blechen harmonieren.
+ Trennfette: Sie sollten generell von höchster Qualität sein und in richtiger Dosierung genutzt werden. Das spart die Mehrkosten locker ein.
+ 2-Rand- oder 4-Rand-Bleche? Ein Mix der Blechtypen macht nach meiner Erfahrung keinen Sinn. Unsere Kommissionierungsteams bevorzugten die 4-Rand-Bleche, weil sie besser abschüttbar sind.
+ Formen- und Blechereinigung: Das Team an den Blechputzmaschinen und Befettungsanlagen (für die Formen) sollte den Bedarf an den Produktionstagen kennen und wissen, zu welcher Uhrzeiten sie benötigt werden. Bei uns im Betrieb wurde die Reinigung über Bestelllisten organisiert.
+ Vorsicht bei vorgefetteten Formen: Bei vorbereiteten Gegenständen besteht immer ein Fremdkörperrisiko. Insekten könnten kleben bleiben.
+ Formen für den Konditorei-Bereich: Sie sollten immer beschichtet sein. Mit Trennfetten beaufschlagte Formen passen nicht zu hygienesensiblen Bereichen.
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Checkliste für die Praxis
Material & Wärmeverhalten
+ Materialtyp passend zum Produkt wählen (Aluminium = schnelle Hitze, Stahl = kräftige Bräunung, Silikon = sanfte Hitze, Glas = langsam)
+ Materialstärke prüfen – dünne Bleche verziehen sich, erzeugen Hotspots
+ Farbe berücksichtigen – dunkel bräunt stärker, hell milder
Formgeometrie & Füllhöhe
+ Formvolumen an die Einwaage anpassen
+ Füllhöhe im Zielbereich von ca. 60–70 % des Formvolumens halten
+ Überfüllung vermeiden (dichte Krume, Pilzbildung, ungleichmäßiges Backen)
Beschichtung & Entformbarkeit
+ Beschichtungstyp und Zustand (Kratzer, Abplatzungen) dokumentieren
+ Entformbarkeit besonders bei feuchten Teigen testen
Reinigung & Pflege
+ Laugenverträglichkeit und mechanische Belastbarkeit klären
+ Pflegeintervalle und Spültechnik-Kompatibilität festlegen
Prozess & Wirtschaftlichkeit
+ Backzeiten und Temperaturen materialabhängig abstimmen
+ Formen möglichst standardisieren für gleichbleibende Ergebnisse
+ Lebensdauer und Kosten pro Zyklus (Anschaffung, Beschichtung, Reinigung) im Blick behalten
Empfehlung nach Produktgruppe
+ Brötchen & Kleingebäck: Aluminium-Lochblech
+ Brote: dunkle Stahl-Kastenform mit PTFE-Beschichtung
+ Kuchen: Emaille oder helle Stahlform
+ Blätterteig: Aluminium-Glattblech
+ Muffins: Metall-Muffinblech
+ Laugengebäck: unbeschichtetes Aluminium-Lochblech
Der Artikel basiert auf Informationen aus „Backgutträger Kompendium“ von MIWE.

