Von Helga Baumfalk
Mit Norbert Lötz steht seit September vergangenen Jahres ein Präsident an der Spitze des Verbandes Deutscher Großbäckereien, der Teamplay kann und Dinge verändern will.
Norbert Lötz wuchs in Kleve am Niederrhein auf und wusste früh, was er beruflich werden wollte: Bäcker. Mit 15 Jahren begann er eine Ausbildung in einer Bäckerei in seiner Heimatstadt, wo er nicht „nur“ ein Handwerk erlernte, sondern auch die „Liebe zum Beruf“ entdeckte. Und weil er schon immer zielstrebig gewesen sei, habe er neben seiner beruflichen Tätigkeit abends die Fachoberschulreife erworben, um die Technikerschule für Bäckereitechnik in Berlin besuchen zu können. Auf den Abschluss als Bäckereitechniker folgte seine Prüfung zum Bäckermeister (neben vielen weiteren verschiedenen Lehrgängen).
„Verbandsarbeit bedeutet, die Kräfte einer ganzen Branche zu bündeln, um gemeinsam das zu erreichen, was einer allein nicht schaffen kann.“
Norbert Lötz, Präsident, Verband Deutscher Großbäckereien
Nach Stationen in Weißenhorn bei Jaus und in der Schweiz bei der Holle Nährmittel AG – wo er als Produktmanager tätig war – arbeitete Lötz 14 Jahre als Werksleiter im damaligen Scherpel-Brot Betrieb in Lünen/NRW (heute ein Standort von Lieken). Eine Zeit, die richtungsweisend für ihn gewesen sei. „Karl Schubert, Geschäftsführer Produktion Wendeln, der mich damals fachlich begleitete, und Unternehmenschef Josef Scherpel waren für mich Vorbilder. Beide haben mich gefördert und gefordert, mir ihr Vertrauen geschenkt und mir viel gestalterischen Freiraum gelassen.“
Als gleichermaßen prägend beschreibt Lötz seine Aufgaben bei Brand Zwieback. Mit der Zentrale in Hagen (NRW) und dem Zwiebackwerk in Ohrdruf (Thüringen) trafen damals, 12 Jahre nach der Wiedervereinigung, unterschiedliche Unternehmenskulturen und Mentalitäten aufeinander. „Ich habe gelernt, dass Führung vor allem bedeutet, Menschen mitzunehmen.“ Statt fertige Konzepte durchzusetzen, hörte er zu, passte seinen Führungsstil an und erarbeitete gemeinsam mit den Mitarbeitern neue Wege im Miteinander. „Rückblickend“, sagt er, „war es eine große Herausforderung, aber auch eine erfolgreiche Zeit.“
Im Anschluss zog es ihn zu Harry-Brot nach Schenefeld. Mit dem Gesellschafter Hans-Jochen Holthausen und den Geschäftsführerkollegen lenkte er über 18 Jahre lang als Geschäftsführer Produktion und Technik die Geschicke des Unternehmens. Es sei für ihn wichtig gewesen, „zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Menschen kennengelernt zu haben“. Bis heute spielten Netzwerke eine große Rolle. Über die Jahrzehnte seien auch viele Freundschaften in der Branche entstanden.
„Ich denke, dass sich in Zukunft Veränderungen in einer Geschwindigkeit durchsetzen werden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.“
Norbert Lötz, Präsident, Verband Deutscher Großbäckereien
Seit mehr als 40 Jahren ist Norbert Lötz mit seiner Frau Claudia Jelinski-Lötz verheiratet. Er ist Vater von drei Kindern und Großvater von vier Enkeltöchtern. Seine Stärke sieht er in Zahlen, Fakten und analytischem Denken. Gleichzeitig weiß er, dass gute Führung immer Teamarbeit ist. „Man muss nicht alles selbst können. Entscheidend ist, die richtigen Menschen um sich zu haben, sie zu fordern, zu fördern und zu motivieren.“ Ein Sinnspruch von Goethe habe ihn beruflich wie privat geleitet: „Erfolg hat drei Buchstaben – TUN.“
Dass er heute Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien ist, ist für ihn Herzenssache und Verpflichtung zugleich. „Ich möchte etwas bewegen“, beschreibt er seinen eigenen Anspruch. Wobei er bewusst keine starren Zielkataloge definiert. Viel wichtiger ist ihm die Resonanz aus der Praxis. Sein Wunsch für die Zukunft: „Das Bewusstsein für das Gewicht der Backwarenbranche in Politik und Gesellschaft tief zu verankern. Denn genau dieses Fundament braucht es, um echten Wandel anzuschieben.“
An Veränderungen wird es nicht mangeln. Neue Produkte, künstliche Intelligenz, humanoide Roboter, alternative Rohstoffe, Nachhaltigkeitsvorgaben, Bürokratie, Energie der Zukunft, die gemeinsame Wertschöpfungskette und ein rasant steigendes Innovationstempo werden die Branche nach Auffassung von Lötz nachhaltig beschäftigen. „Ich denke, dass sich in Zukunft Veränderungen in einer Geschwindigkeit durchsetzen werden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.“

