Von Helga Baumfalk
Wenn Lars Rautenberg, Betriebsleiter Produktion bei Bäcker Görtz in Ludwigshafen am Rhein, über Wachstum spricht, meint er nicht allein einen Zuwachs an Filialen. Wachstum
entsteht nach seinen Worten genauso aus der Qualität der Backwaren, einer durchdachten
Sortimentsstruktur und der Nähe zu den Kunden.
Genau 260 Filialen (im März 2025 waren es noch 226) in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen gehören Stand Juni 2026 zu Görtz. Die meisten betreibt die Bäckerei in Eigenregie, einen Teil führen Partner. Die Filialstruktur ist vielfältig. „Wir mögen es, wenn Menschen zu uns kommen, um zu bleiben“, schreibt das Unternehmen auf seiner Website.
Alle Standorte befinden sich in einem Umkreis von 80 km rund um das Backhaus. „Bei diesem Radius wollen wir es auch erst einmal belassen“, berichtet Rautenberg. Das macht Sinn, „um die Frische der Produkte zu gewährleisten.“ Die Filialen fährt die Bäckerei mit ihrer eigenen Flotte von 47 Fahrzeugen zum Teil zweimal am Tag an.
Was das Sortiment anbelangt, ist Görtz im Brötchenbereich mit einem Umsatzanteil von rund 24 % besonders stark aufgestellt. Feingebäcke steuern weitere rund 20 % bei und bei Brot liegt der Umsatzanteil bei rund 11 %. Besonders gut laufen die klassischen Schnittbrötchen, die
bei Görtz Backis heißen, im Brotbereich sind es die Flute sowie die Urkruste, im Konditoreisektor die Himbeersahneschnitte, und unter den Feingebäcken ist das Schoko-
Croissant der Star. Natürlich sind auch Snacks (24 %) eine verkaufsstarke Warengruppe.
„Wir wollen uns weiterentwickeln, nicht allein über die Filialstruktur, auch auf bestehender Fläche. Hier sprechen wir über Kundenbindung
und Kundenentwicklung.“
Lars Rautenberg, Betriebsleiter Produktion, Bäcker Görtz
Trotz der Größe ein klassischer Handwerksbetrieb
Bäcker Görtz versteht sich als klassischen Handwerksbäcker. Lars Rautenberg: „Wir arbeiten nicht anders als eine kleine Bäckerei auch, vielleicht mit ein bisschen mehr Vorbereitung und anderen Abläufen.“
Bäcker Görtz backt im Dreischichtbetrieb. „Klein- und Feingebäcke, alles produzieren wir von heute auf morgen“, erklärt der Betriebsleiter. „Morgens um 4 Uhr beginnen wir mit der Brötchenproduktion, produzieren die Teiglinge, fahren sie über die Kühlung und transportieren sie gekühlt in die Filialen, wo sie nach Bedarf gebacken werden. Die Langzeitführung trägt wesentlich zur Qualität unserer Brötchen bei. Täglich produziert, veredelt, aprikotiert, glasiert und frisch ausgeliefert werden auch die Feingebäcke. Unsere Brotschicht läuft abends ab. Gegen 20 Uhr startet die Produktion für den darauffolgenden Tag.“ Füllungen und Cremes stellt die Bäckerei nach eigenen Rezepturen her. Snacks werden je nach Produkt zentral oder in den Filialen zubereitet. Rund 256 Mitarbeiter arbeiten am Hauptsitz in Ludwigshafen, verteilt auf die Tag- und Nachtschicht, die Technik, das Qualitätsmanagement, die Logistik und die Verwaltung. Rechnet man alle Mitarbeiter zusammen, sind es rund 1.800 Menschen, die für Görtz tätig sind.
Das Kernsortiment ihrer Rohstoffe hat die Bäckerei kontraktiert. „Wir wollen die Sicherheit, dass es zu keinen Engpässen kommen kann.“ Bevorzugt ordert man regional. „Unser Rapsöl beziehen wir von einer Ölmühle aus Mannheim, unser Mehl stammt aus einer regionalen Mühle und bei Wurstwaren arbeiten wir seit Jahrzehnten mit einem Familienbetrieb aus der Region zusammen.“ Qualität und Regionalität der Rohstoffe, das dürfe man nie aus den Augen verlieren.
„Im Prinzip arbeiten wir nicht anders als eine kleine Bäckerei auch, vielleicht mit ein bisschen mehr Vorbereitung und anderen Abläufen.“
Lars Rautenberg, Betriebsleiter Produktion, Bäcker Görtz
Seit 2022 hält der norwegische Investor FSN Capital Mehrheitsanteile an der Bäckerei. Verändert habe sich damit aber nichts. Rautenberg: „Peter Görtz, Frank Görtz und Daniel Gürtler leiten das Unternehmen als Geschäftsführer genauso strategisch und unternehmerisch wie zuvor.“ Seit 2025 gehört auch Pappert aus Eichenzell (Hessen) zur BrotWert-Gruppe. Zwei Bäckereien aus unterschiedlichen Regionen unter einem Dach, da sei es logisch, sagt
Rautenberg, dass man sich austausche, Synergien prüfe. Klar sei aber auch: „Jeder Betrieb arbeitet für sich und backt seine Produkte in der Art, wie sie die Kunden jeweils gewohnt sind.“

