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„Mut zur eigenen Identität”

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Von Helga Baumfalk

Wer im Wettbewerb bestehen will, braucht Relevanz. Nur, wann und wie ist man relevant? Keine einfache Frage, denn jeder Betrieb ist anders. Der 36. Bäko-Workshop* mit dem passenden Titel „Volle Kraft“ (voraus) in Lübeck gab den Teilnehmern eine Orientierung: „Hab Mut zur eigenen Identität.“

Handels- und Zukunftsforscherin Theresa Schleicher ordnete die Ist-Situation ein: „Wir leben in einer Zeit der Multikrisen. Weltweit haben Menschen Angst vor der Zukunft.“ Der Preis sei mittlerweile zu einem Trend geworden. „Die Menschen sparen in allen Belangen, außer bei der Gesundheit. Wir brauchen Mut für neue Wege“, sagt sie und formte den Begriff „Zeitgeistprodukte“.

Betriebsberater Thomas Backenstos ist überzeugt, „dass wir unser Handwerk wieder cool machen müssen“. Er setzte sich mit der Frage auseinander, wie Handwerksbetriebe mit der Flut an Trends umgehen sollten. „Trends darf man nutzen. Man sollte sich von ihnen aber nicht benutzen lassen.“ Nicht jeder Trend passe zu jedem Unternehmen. Aber wenn, „dann sollten ihn Betriebe in ihrer erkennbar eigenen Machart veredeln“.

Manchmal geht das backende Handwerk an Verbrauchertrends vorbei, behauptete Foodexpertin Prof. Dr. Carolyn Hutter und wies auf einen potenziellen Gamechanger hin: GLP-1 – die Abnehmspritze bzw. -pille. Noch löse sie keinen Massenmarkt aus, sei aber relevant, vor allem für Backwarenhersteller, die Antworten parat haben sollten. Ihr Vorschlag: „Portionen neu denken, Produkte mit höherer Nährstoffdichte anbieten und danach den Preis kalkulieren, nicht nach Gewicht.“ Sie riet, nicht den Fehler zu machen, das als Abnehmspritzenprodukt zu deklarieren.

KI-Experte Gregor Schmalzried erklärte den Teilnehmern, warum KI auch für die backende Branche in Zukunft notwendig sei, es aber nicht ausreiche, nur auf KI zu setzen. „KI wird immer nur ein Kapitel unter anderen sein.“ Sein Gedanke zum Schluss: „Was ist, wenn mit KI doch alles gut wird?“

„Menschen kaufen ein gutes Gefühl, kein Produkt“, erklärte Neuromarketing-Expertin Gesa Lischka. „Wir erinnern uns auch in Bildern und Gefühlen.“ Eine Marke ist nach ihren Worten ein Versprechen in die Zukunft. „Eine Marke ist der Assoziationsentwurf, den eure Kunden über euch im Kopf haben.“ Ihr Tipp: „Seid nicht alles für alle.“

Mit seiner „Gorilla-Story”, oder wie eine Nicht-Story groß werden konnte, zog Dr. Jonathan T. Mall die Aufmerksamkeit auf sich. Einige Erkenntnisse aus seinem Vortrag zum Thema Verkauf: Dinge, die auf Augenhöhe liegen, verkaufen sich um 80 % häufiger. Schwer lesbare Schrift bedeutet: Doppelt so viele kaufen nicht. Machen Sie es Ihren Kunden leicht – jede Sekunde Nachdenken an der Theke ist eine Sekunde, in der eine Entscheidung kippen kann.

Finaler Bühnengast des Bäko-Workshops war Keynote-
Speaker und selbsternannter Sustainability-Ninja Daniel Anthes. Er motivierte die Teilnehmer zu einem „kritischen Zukunftsoptimismus“. Anthes: „Zukunft existiert nicht irgendwo, sondern wir gestalten sie.“

Der nächste Bäko-Workshop findet vom 12. bis 14. September 2027 in Darmstadt statt.

*Ein Bericht vom 1. und 2. Veranstaltungstag des Bäko-Workshops. Im Bild oben ist das Moderatorenteam Steffi Renz und Marcus Höffer zu sehen. | © BÄKO

Der Bäko-Workshop vom 20. bis 22. September 2026 war Impulsgeber, Netzwerkplattform, Motivator und Erlebnis (Party inklusive) in einem.