Mehr Flexibilität, mehr Automatisierung, mehr Output – wie sich der Weltmarktführer für Lauge – die Brezelbäckerei Ditsch – mit Investitionen in die deutschen und US-amerikanischen Standorte für die Zukunft aufstellt. Ein Gespräch mit Klaus Westerwelle, Managing Director Operations, und Matthias Hartung, Werkleiter Oranienbaum.
Helga Baumfalk: In den vergangenen zwei Jahren hat Ditsch bis zu 100 Mio. EUR in die Produktionsstandorte für Laugenbackwaren investiert, davon rund 30 Mio. EUR in die deutschen Werke. Worein genau haben Sie das Geld investiert?
Klaus Westerwelle: Das Gesamtvolumen war sogar noch größer. Wir investieren jedes Jahr standardmäßig einen größeren Millionenbetrag in den Werterhalt unserer Standorte. Allein der Maschinenpark, den wir nutzen, ist riesig. Tauschen wir ganze Linien aus, verbinden wir das idealerweise mit der Schaffung eines Mehrwerts. Das kann ein qualitativer Mehrwert sein, eine Rationalisierung oder eben mehr Kapazität, wie in Oranienbaum.
„In den USA sind wir unfassbar dynamisch gewachsen. Wir brauchen das zweite Werk in Cincinnati, um in dem großen US-Markt vorankommen zu können.“
Klaus Westerwelle, Managing Director Operations, Ditsch
„Wir haben eine eigene Engineering-Abteilung, die sich mit nichts anderem befasst als damit, welche Standard-komponenten es am Markt gibt und wie sie sich so konfigurieren lassen, dass wir im Ergebnis die Flexibilität und Automatisierung erreichen, die wir wollen.“
Matthias Hartung, Werkleiter Oranienbaum, Ditsch
Ditsch – Fokus auf Laugenbackwaren
Ditsch beliefert Kunden in mehr als 40 Ländern, verkauft über 900 Mio. Backwaren jährlich und betreibt mit weltweit rund 1.500 Mitarbeitern vier Produktionsstätten – zwei Werke in Deutschland (Mainz und Oranienbaum bei Dessau in Sachsen-Anhalt) sowie zwei Standorte in den USA (beide in Cincinnati/Ohio). Das Unternehmen gehört zur Schweizer Valora Gruppe. Valora wiederum ist die europäische Retaileinheit von Fomento Económico Mexicano, S.A.B. de C.V. (FEMSA).
Das Unternehmen versteht sich strategisch als globale Großbäckerei mit dem Fokus auf Laugenbackwaren. In diesem Segment ist die Valora-Tochter weltweit Marktführer. Ditsch vertreibt seine Backwaren u. a. in den Kanälen Bäckerei, Foodservice und Retail sowie über eigene Valora- und FEMSA-Formate.
Den zweiten Produktionsstandort in den USA nahm Ditsch nach einer Investition von über 60 Mio. EUR Ende 2024 in Betrieb. In die deutschen Werke investierte das Unternehmen 2025 rund 30 Mio. EUR. Mit dem Geld wurde u. a. die Standortkapazität in Oranienbaum um etwa 25.000 Gebäckstücke pro Stunde erhöht. Das Werk mit rund 640 Mitarbeitern ging 1999 an den Start. Ditsch arbeitet mit deutschen Landwirten und Mühlen zusammen und ist „stolz auf die starken Beziehungen“, heißt es aus dem Unternehmen.
Premiere der LEH-Range auf der Anuga 2025
Der Markt für tiefgekühlte Laugenprodukte wächst in Deutschland laut NIQ derzeit um
rund 13 % pro Jahr, wie einem LinkedIn-Post der Valora Group zu entnehmen ist. Ditsch sieht in dem Markt weiterhin Chancen für Innovation und Wachstum.
Seit 2025 sind tiefgekühlte Laugenbackwaren von Ditsch unter eigenem Markennamen auch in den Tiefkühltruhen des Handels vertreten. Zum LEH-Konzept gehören neben TK-Laugenbackwaren (frozen) außerdem Backwaren, die gekühlt (chilled) bzw. ungekühlt (ambient) angeboten werden. Zur Anuga 2025 stellte Ditsch seine LEH-Range erstmals vor.
Fachkräfte bildet Ditsch im Wesentlichen selbst aus. Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich im Unternehmen über eigens ausgearbeitete IHK-zertifizierte Schulungsprogramme bis zu Positionen auf Führungsebene weiterzuentwickeln. Mehr als 20 % der Führungskräfte wurden intern ausgebildet. 2025 wurde der Standort Oranienbaum durch die IHK Halle-Dessau (Sachsen-Anhalt) als Top-Ausbildungsbetrieb prämiert.
Butterknoten unter der Marke Ditsch werden u. a. im Bordbistro der Deutschen Bahn angeboten
Baumfalk: Wie entwickelt sich der Markt für Laugenbackwaren in DACH und den USA?
Westerwelle: Immer mehr Menschen konsumieren immer mehr Laugengebäck. Dieser erfreuliche Trend akzentuiert sich besonders in der DACH-Region, genauso wie in den USA. Aber auch in anderen Region wie z. B. UK gilt dies. Kurzum: Wir sehen gutes Wachstumspotenzial in unserer Heimatregion, aber ein riesiges Potenzial weltweit.
„Mit unserer Investition in Oranienbaum sind wir in der Lage, in-line alle gefüllten Produkte einzeln zu verpacken. Was vorher ein aufwendiger, zweistufiger Prozess war.“
Klaus Westerwelle, Managing Director Operations, Ditsch
Baumfalk: Registrieren Sie je Schwankungen in der Nachfrage, etwa je nach Jahreszeit oder z. B. zum Oktoberfest?
Westerwelle: Nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit. Zwar registrieren wir im Herbst eine Steigerung, aber mit weniger starker Ausprägung. Direkt vom Oktoberfest haben wir nie profitiert, dafür mit den Aktionen, die mit dem Oktoberfest zu tun haben. Ich denke, das Ausbleiben dieses Effekts hängt damit zusammen, dass es für die Verbraucher heutzutage normal geworden ist, Laugenbackwaren über das ganze Jahr zu genießen.
Baumfalk: Sie beliefern u. a. Bäckereien. Worauf achten Ihre Bäckerkunden bei Laugenbackwaren?
Westerwelle: Auf gleichbleibend gute Qualität und Gelingsicherheit. Andererseits wird ein handwerklicher Touch gewünscht. Die Produkte sollen nicht alle gleich aussehen.
Hartung: Was nicht vergessen werden darf: Ein wesentlicher Teil der Qualität bestimmt der Bäcker durch den Backprozess selbst.
Das Snack-Konzept „good bite“
In den USA kennt man sie als Pretzel Bites – unter dem Namen „good bite“ hat Ditsch seine Laugengebäck-Snack-Idee Ende 2025 jetzt nach Europa geholt. Premiere feierte das Konzept in einem Ditsch-Store am Hauptbahnhof, in Hannover. „good bite“ sind kleine Laugenhäppchen, die mit süßen oder herzhaften Toppings serviert werden. Zur Auswahl stehen zum Beispiel CinnaVanilla mit Zimt und Zucker, Salted Caramel oder Rainbow Drops mit Mango-Maracuja-Sauce oder, in herzhaften Varianten, der Hot Dog-Style mit Röstzwiebeln und sauren Gurken und Asia Fusion mit Erdnuss- und Sriracha-Sauce, Mangowürfeln und Chili-Fäden.
Baumfalk: Ende 2025 haben Sie „Pretzel Bites“ in den deutschen Markt eingeführt – mit welcher Zielsetzung?
Westerwelle: In den USA werden „Pretzel Bites“ zu verschiedensten Verzehranlässen genossen und diese interpretieren bzw. inszenieren Laugenbackwaren in einer modernen Art auf einem ganz neuen Level. Ob als Starter, z. B. in Sportbars, ob zum Snacken und Dippen mit Freunden oder der Familie, es gibt unzählige Anlässe, wie Laugengebäck in Form der Pretzel Bites weitere Verzehranlässe erschließt. Mit den Pretzel Bites haben wir einen echten Nerv getroffen. Jetzt testen wir, ob und wie „Pretzel Bites“ auch im europäischen Markt sowie in anderen internationalen Märkten wie Asien oder Middle East funktionieren.
Baumfalk: Sie sprachen es an, Sie verarbeiten Bio-Rohstoffe und produzieren Bio-Laugenbackwaren. Ist das ebenfalls ein neues Thema für Ditsch?
Westerwelle: Nicht wirklich. Wir beliefern unsere Kunden bereits seit Jahren mit Bio-Laugenstangen und -Brezeln und haben in Oranienbaum in die Rohstoffversorgung investiert. Mit unserem Bio-Angebot können wir heute sehr agil im Markt agieren.
Beim Vor-Ort-Termin in Oranienbaum: (v. l.) Klaus Westerwelle, Helga Baumfalk, Matthias Hartung
Baumfalk: Ein paralleles Bio-Sortiment setzt eine Prozesstrennung voraus. Wie haben Sie das gelöst?
Hartung: Wir haben die notwendige Prozesssicherheit zuerst durch manuelle Trennung und eine ausgeklügelte Produktionsplanung erreicht. Dann haben wir klare Prozess-
Trennungen durch Investitionen geschaffen – zum Beispiel in neue Silos. Es bleibt noch eine Nische – aber es ist sehr spannend, wie sich das Ganze entwickelt. Es gibt schon tolle Unterschiede, die für einige Kunden relevant sind.
Baumfalk: Herr Westerwelle, Herr Hartung, vielen Dank für Ihre Zeit.

