Recht, Energie, Logistik, Hygiene – das waren die Themen, die auf dem 2. Bäcker-Infotag des Verbandes
Deutscher Großbäckereien im Austausch mit dem Auditorium diskutiert wurden. Die Veranstaltung,
die der Hauptgeschäftsführer Tobias Schuhmacher moderierte, fand am 5. Februar in Zusammenarbeit
mit der TU München in Freising statt.
| Überblick Förderprogramme (Auswahl) | ||
|---|---|---|
| Förderprogramm | Art der Förderung | Förderbereich |
| Bundesförderung für Effiziente Wärmenetze (BEW) | Zuschuss | Umbau bestehender Wärmenetze und neuer Wärmenetze auf vollständige Versorgung durch förderfähige erneuerbare Wärmequellen bis 2045 |
| Bundesförderung für effiziente Gebäude | Zuschuss/Kredit |
Nicht-Wohngebäude – Klimafreundlicher Neubau: Gebäude energieeffizient und nachhaltig bauen Nicht-Wohngebäude – Sanierung: Gebäude energieeffizient sanieren Nicht-Wohngebäude – Anlagentechnik: Einbau von Anlagentechnik (allgemein) und von Anlagen zur Wärmeerzeugung (Heizungstechnik) Nicht-Wohngebäude – Heizungsoptimierung: Optimierung von Heizungsanlagen |
| Bundesförderung Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft | Zuschuss/Kredit |
Modul 1: Querschnittstechnologien Modul 2: Prozesswärme aus Erneuerbaren Energien Modul 3: MSR, Sensorik & Energiemanagementsoftware Modul 4: Optimierung von Anlagen und Prozessen Modul 5: Transformationskonzepte Modul 6: Elektrifizierung von kleinen Unternehmen |
| Umweltinnovationsprogramm | Zuschuss/Kredit | Innovative, großtechnische Pilotvorhaben mit Demonstrationscharakter |
| Energieeffizienzprogramm für Produktionsanlagen und Prozesse | Kredit | Zinsgünstige Darlehen für Energieeffizienzmaßnahmen im Bereich Produktionsanlagen und -prozesse |
Lohnt es sich für Bäckereien, in Batteriespeicher zu investieren, um Lastspitzen zu kappen und letzten Endes die Energiekosten zu senken? Die Antwort von Stefan Ailler, Area Manager bei Tesvolt: „Es kommt darauf an.“ Auf was genau, damit setzte er sich in Freising auseinander. „Tritt eine Lastspitze über einem definierten Grenzwert auf, wird diese durch den Batteriespeicher gekappt. Der Speicher stellt entsprechend den nötigen Strom zur Verfügung. Der Netzbezug wird so innerhalb des definierten Werts gehalten. Der Speicher wird im Anschluss wieder kontinuierlich aus dem Stromnetz oder der PV-Anlage beladen.“ Ailler erklärte weiter: „Während bei der physikalischen Lastspitzenkappung (LSK) jede Verbrauchsspitze ab einem definierten Schwellenwert durch Strom aus dem Batteriespeicher aufgefangen wird, arbeitet das System bei der dynamischen Lastspitzenkappung im 15-Minuten-Intervall präziser.“ Die maximale durch den Versorger tolerierte Verbrauchsspitze werde vermieden, indem die verbrauchte Strommenge über einen Zeitraum von 15 Minuten registriert werde und dabei kurze Lastspitzen erlaubt seien. Ailler: „Der TESVOLT Energy Manager greift nur dann ein, wenn der Durchschnittsverbrauch innerhalb des 15-Minuten-Intervalls den maximal tolerierten Spitzenwert zu überschreiten droht.“
Stefan Ailler
Warum Strombeschaffung heute keine reine Tariffrage, sondern eine strategische Entscheidung und deshalb Chefsache ist, erklärte Christina Opp, Head of Procurement, Brezelbäckerei Ditsch. „Strompreise sind nicht nur gestiegen, sie sind grundlegend volatiler geworden“, berichtete Opp. Besonders Großbäckereien stelle das vor große Herausforderungen. Neue Spielräume schafft nach ihren Worten die Registrierende Leistungsmessung (RLM)**. Opp: „Durch RLM wird Strombeschaffung aktiv steuerbar und damit strategisch gestaltbar.“ Nicht außer Acht ließ sie, dass für Betriebe, die sich für diese Form der Strombeschaffung entscheiden, ein Zielkonflikt zwischen Planungssicherheit und Preisrisiko mitschwingt. Opp: „Strategie bedeutet, das gewünschte Verhältnis von Risiko und Planungssicherheit bewusst festzulegen.“ Den Tagungsteilnehmern gab sie konkrete Tipps aus ihrer eigenen Erfahrung mit auf den Weg:
+ Informiere dich – über Markttrends, Börsenpreise und geopolitische Ereignisse.
+ Tauscht euch aus – plant Updates mit dem Energieversorger und einen Wissenstransfer.
+ Eine klare Governance der Strombeschaffung sichert die Verlässlichkeit im Tagesgeschäft.
Christina Opp
Mit Transportkostenoptimierungen und einem professionellen Tendermanagement (Ausschrei-
bungsmanagement) befassten sich Robert Eversberg und Detlef Ohlms, Frachtrasch. Eversberg ordnete die Ausgangssituation ein: „Lebensmittel sind die sensibelste Handelsware, die es gibt.“ Die Logistik sei ein Wettbewerbsfaktor. Er ging auf Herausforderungen ein wie hohe Kundenanforderungen und die geringe Fehlertoleranz. Wann lohnt es sich nun, einen eigenen Fuhrpark zu betreiben oder auf einen Spediteur zu setzen?
Robert Eversberg
Eversberg stellte Vor- und Nachteile einander gegenüber. Für den eigenen Fuhrpark spreche z. B. die Flexibilität und das Branding, dagegen die hohen Fixkosten und das Risiko bei geringer Auslastung.
Was das Ausschreibungsmanagement von Frachten anbelangt, empfahl Detlef Ohlms, im Unternehmen einen Workshop anzusetzen, um zu klären: „Welche Anforderungen an den Transport meiner Ware habe ich überhaupt?“ Ohlms riet dazu: „Führen Sie Marktanalysen durch. Schauen Sie nicht nur auf Ihr Produkt, betrachten Sie auch die Situation der Logistikbranche.“ Will man optimieren, sollten bestehende Dienstleisterverträge geprüft werden: „Wann war die letzte Preiserhöhung? Ist eine Preisanpassung geplant?“ Landfracht (Paketdienst bis Komplettladung), Luftfracht und Seefracht – alle Frachtsegmente sollten separat betrachtet werden. „Verschaffen Sie sich einen Überblick über alternative Dienstleister in den Segmenten“, so Ohlms, „denn nicht jeder Dienstleister kann jeden Markt bedienen.“
Detlef Ohlms
„Wir wollen das Thema Mehrweg für Bäckereien so einfach wie möglich gestalten“, sagte Gideon Stiegeler, WBG-Pooling. Er ging auf Mehrweglösungen beim Handling von Behältern wie Bäckerkisten ein. „Unsere Produkte haben eine Cradle-to-cradle-Zertifizierung, d. h., das Material verbleibt im Kreislauf, deshalb entsteht kein Verpackungsmüll.“ Stiegeler hob das Smart Label der Mehrweglösungen hervor. Es besteht aus einer eindeutigen Nummer (GRAI) und einem RFID-Tag. „Dank unserer ,Verheiratungsstation‘ ist es uns möglich, die NVE*** des Kunden mit der GRAI zu ,verheiraten‘. So hängen wir die Palette oder Kiste beim Warenausgang an die Ware des Kunden. Deshalb ist kein aktives Leergutmanagement nötig. Im Wareneingang können die Behälter mittels RFID getrackt werden. Wir analysieren mit unserem Closed Pooling System die Warenströme von Großbäckereien oder Lieferanten und können die Abwicklung durch verschiedene Digitalisierungsstufen vereinfachen.“
Gideon Stiegeler
Von der Logistik wechselte der Themenschwerpunkt zur Hygiene. Dr. Anna Lena Müssle, Leitung F&E bei sterilAir, erklärte, wie eine Oberflächenentkeimung in Bäckereien mit UVC-Technologie funktioniert. „Zur Entkeimung machen wir uns den biologischen Effekt von UVC-Licht im Wellenlängenbereich von 254 nm zunutze. Es zerstört die DNA von Mikroorganismen, egal ob Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzsporen. Sie sterben in der Folge ab.“ Einsetzen ließe sich die Technologie z. B. zur Oberflächendesinfektion von Förderbändern oder Kisten, aber auch von Gärgehängen oder Kühllamellen. Neben Oberflächen kann auch Luft in luftgeführten Umwälzsystemen entkeimt werden. Die Dosis, die zur Keimreduktion gebraucht wird, hängt dabei laut Dr. Müssle von Faktoren wie den Umgebungsbedingungen und der Anwendung selbst ab.
Dr. Anna Lena Müssle
Praxisbeispiele stellte Ulrich Gösele-Dowrazik, Verkauf Süddeutschland bei sterilAir, vor. Er berichtete, wie in Zusammenarbeit mit König Maschinen die Entkeimung der Gärgehänge in einer Brötchenanlage gelöst werden konnte. Am Beispiel Spiralkühler ging er auf die Entkeimung von Förderbändern und Kühllamellen ein, wobei Kreuzkontaminationen durch UVC-Technologie unterbunden werden könnten. Gösele-Dowrazik wies darauf hin: „Eine blaue Lampe allein bringt noch keinen Effekt.“ Entscheidend sei, dass eine ordentliche Auslegung der UVC-Installation durchgeführt werde und man sich nicht auf sein Bauchgefühl verlassen dürfe.
Ulrich Gösele-Dowrazik
Den Schlusspunkt setzte Axel Zielke, Vertriebspartner Digpanda Robotics, der anhand einer Fallstudie in einer Bäckerei zeigte, wie sich Reinigungsroboter in den Betriebsalltag und im Zusammenspiel mit Mitarbeitern einfügen lassen. Reinigungsroboter in Aktion bekamen die Teilnehmer auf einer eigens eingerichteten „Rennstrecke“ an der TU München zu sehen.
Axel Zielke

