Sjoerd Raben, Projektmanager für Softwareentwicklung bei Royal Kaak (im Bild rechts), gewährt Einblicke in die Arbeit des Unternehmens, teilt seine Perspektiven zu KI-Konzepten und berichtet über die Fortschritte bei der Integration wegweisender Tools.
b+b: Was waren die Highlights Ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit (F&E) im Bereich KI in den vergangenen drei Jahren?
Sjoerd Raben: In den letzten drei Jahren konzentrierten sich unsere F&E-Bemühungen auf die Integration von KI-Funktionalitäten in eine skalierbare, cloudbasierte Datenplattform für industrielle Bäckereiumgebungen. Ein wesentlicher Erfolg war dabei, dass wir eine strukturierte Datenerfassung über verschiedene Anlagen und Produktionslinien hinweg erreichen konnten – das ist ein solides Fundament für fortschrittliche Datenanalysen. Dies hat uns den Übergang von isolierten Maschinendaten hin zu einem vernetzten Ecosystem ermöglicht, in dem Leistung, Qualität und Effizienz ganzheitlich analysiert werden können. Durch die Verknüpfung des industriellen IoT mit datengestützten Erkenntnissen unterstützen wir Bäckereien dabei, die Prozesskonsistenz zu steigern, Ausfallzeiten zu reduzieren und fundiertere operative Entscheidungen treffen zu können.
b+b: In welchen Produktionsbereichen haben Sie bereits KI-Funktionen in Ihre Technologie integriert?
Sjoerd Raben: KI kommt bei uns vor allem im Bereich der datengestützten Entscheidungsunterstützung zum Einsatz. Hier nutzen wir generative KI, um Anwender dabei zu unterstützen, komplexe Produktionsdaten zu interpretieren und in aussagekräftige Erkenntnisse umzuwandeln. Anstatt lediglich Rohdaten oder Dashboards zu präsentieren, versetzt generative KI Bediener und Produktionsleiter in die Lage, besser zu verstehen, was genau in ihrem Prozess geschieht, warum bestimmte Abweichungen auftreten und wo Verbesserungspotenziale liegen. Dies senkt die Hürden für eine effektive Datennutzung in der Fertigungsumgebung erheblich. Darüber hinaus unterstützen wir die vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance) durch fortschrittliche Datenana-
lysen, bei denen Muster im Anlageverhalten genutzt werden, um potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen. Dieser Ansatz basiert auf strukturierter Datenanalyse und fachspezifischem Domänenwissen – und nicht auf autonomen, KI-gesteuerten Entscheidungen.
„Entscheidend ist, dass die Kontrolle über den Produktionsprozess beim User verbleibt. Dieser Ansatz stärkt das Kontrollgefühl in der Fertigung, da Entscheidungen auf transparenten
Erkenntnissen basieren und nicht darauf, sich auf ein ‚Blackbox‘-System zu verlassen, das Prozessparameter autonom anpasst.“
Sjoerd Raben, Projektleiter Softwareentwicklung, Royal Kaak
b+b: Welches sind die Anfragen, die Sie am häufigsten erhalten?
Sjoerd Raben: Die häufigsten Anfragen konzentrieren sich auf die Steigerung der operativen Effizienz, die Sicherstellung einer gleichbleibenden Produktqualität und dass eine bessere Transparenz über Produktionsprozesse erreicht werden kann. Kunden suchen zunehmend nach Möglichkeiten, ihre Abläufe transparenter zu gestalten. Sie möchten verstehen, wie unterschiedliche Parameter die Produktqualität beeinflussen und wie sie schneller auf Abweichungen reagieren können. Zudem besteht eine starke Nachfrage nach Lösungen, die die Komplexität reduzieren, also nach Tools, die Daten für die Bediener zugänglich und verständlicher machen.
b+b: Wie wird maschinelles Lernen definiert, um verschiedene Produktionsschritte in Echtzeit zu optimieren?
Sjoerd Raben: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird maschinelles Lernen vorrangig zu analytischen Zwecken eingesetzt, anstatt Produktionsprozesse direkt in Echtzeit zu steuern. Durch die Analyse historischer und aktueller Produktionsdaten hilft maschinelles Lernen dabei, Muster, Zusammenhänge und Abweichungen zu identifizieren, die mit herkömmlichen Methoden nicht ohne Weiteres erkennbar wären. Diese Erkenntnisse vermitteln dem User ein klareres Verständnis der Prozesse und zeigen Bereiche mit Optimierungspotenzial auf. Wichtig dabei ist: Die Steuerung des Produktionsprozesses bleibt in der Hand des Users. Dieser Ansatz stärkt das Kontrollgefühl in der Fertigung, da Entscheidungen auf transparenten Erkenntnissen basieren und nicht darauf, sich auf ein ‚Blackbox‘-System zu verlassen, das Prozessparameter autonom anpasst.
Die Datenqualität ist entscheidend
b+b: Worin bestehen die Herausforderungen bei KI-gestützten Entscheidungsalgorithmen, und wie werden konsistente Ergebnisse sichergestellt?
Sjoerd Raben: Eine der zentralen Herausforderungen besteht darin, die Zuverlässigkeit in komplexen und variablen Produktionsumgebungen zu gewährleisten. Backprozesse werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst, durch die Rohstoffe, Umgebungsbedingungen und betriebsbedingten Schwankungen. Um konsistente Ergebnisse sicherzustellen, legen wir großen Wert auf Datenqualität, robuste Datenpipelines und eine klare Systemüberwachung. KI wird eingesetzt, um auf der Grundlage dieser Daten Erkenntnisse zu gewinnen, aber immer innerhalb eines kontrollierten und definierten Rahmens. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Transparenz: Die gewonnenen Erkenntnisse müssen für die Anlagenbediener nachvollziehbar und verständlich sein, damit sie auf ihrer Basis souverän handeln und die volle Kontrolle über den Produktionsprozess behalten können.
„Wir sind davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Einführung einen schrittweisen Ansatz erfordert, bei dem KI in kleinteiligen, klar definierten und nachvollziehbaren Anwendungsfällen zum Einsatz kommt. Dies stellt sicher, dass die menschliche Kontrolle über den Gesamtprozess jederzeit gewahrt bleibt.“
Sjoerd Raben, Projektleiter Softwareentwicklung, Royal Kaak
b+b: Welche Chancen sehen Sie in der Ausweitung des KI-Einsatzes in Bäckereien?
Sjoerd Raben: Wir sehen erhebliche Chancen, insbesondere darin, Produktionsprozesse transparenter, effizienter und konsistenter zu gestalten. Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Einführung einen schrittweisen Ansatz erfordert, bei dem KI in kleinteiligen, klar definierten und nachvollziehbaren Anwendungsfällen zum Einsatz kommt. Dies stellt sicher, dass die menschliche Kontrolle über den Gesamtprozess zu jeder Zeit gewahrt bleibt. Eine entscheidende Voraussetzung für diese Entwicklung ist die Verfügbarkeit sauberer, strukturierter und gut annotierter Daten. In vielen Fällen bietet bereits die bloße Organisation und Nutzung dieser Daten, ganz ohne den Einsatz von KI, einen Mehrwert. KI sollte auf diesem Fundament aufbauen, und es nicht ersetzen.
b+b: Welche Prioritäten setzt Ihre F&E bei der weiteren Weiterentwicklung von KI? Und wie werden dabei Aspekte der Qualitätssicherung und Sicherheit berücksichtigt?
Sjoerd Raben: Unsere Prioritäten konzentrieren sich auf skalierbare Dateninfrastrukturen, praktische Benutzerfreundlichkeit und verlässliche Erkenntnisse. Wir investieren weiterhin in die Stärkung unserer Datenplattform, um sicherzustellen, dass diese wachsende Mengen an Produktionsdaten bewältigen kann und dabei für Bediener und Ingenieure zugänglich und nutzbringend bleibt. Gleichzeitig konzentrieren wir uns auf die Entwicklung von Lösungen, die intuitiv sind und sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe einfügen. Qualität und Sicherheit bleiben dabei von zentraler Bedeutung. KI wird als unterstützende Ebene eingesetzt, die das Verständnis und die Entscheidungsfindung verbessert, während die finale Prozessführung weiterhin durch etablierte Steuerungssysteme und menschliche Expertise gelenkt wird. Dies gewährleistet, dass Innovation Hand in Hand mit Zuverlässigkeit und Produktsicherheit geht.

