Vier Jahre lang vertrat Takeharu Shinga als Präsident der RHEON AUTOMATIC
MACHINERY GmbH den japanischen Pionier im rheologischen Maschinenbau in Europa. Im Frühjahr trat er jetzt seine neue Position in Japan an – als Operating Officer, Director of Development & Designing Department. brot+backwaren sprach mit ihm am Düsseldorfer Firmensitz über Märkte, Chancen und neue Entwicklungen.
Catalina Mihu: Rheon schneidert seine Maschinenlösungen gezielt auf die Anforderungen der jeweiligen Märkte zu. Nach welchen Kriterien richten sich Ihre Anpassungen?
Takeharu Shinga: Rheon wurde 1963 in Japan gegründet. Kurz danach eröffneten wir eine Niederlassung in Europa, um die Märkte zu sondieren – insbesondere jene, die im Maschinenbau einen hohen Entwicklungsstandard aufwiesen. Wir befassten uns damit, inwieweit unsere Technologie mit den Gegebenheiten dieser Märkte kompatibel ist. Unser Firmengründer Torahiko Hayashi stellte fest: Dies war nicht nur möglich, es gab zu der Zeit in Europa auch noch gar keine Technologie, die der von ihm erfundenen Encrusting-
Maschine ähnelte. Der Former-Füller-Portionierer wurden zur Herstellung japanischer Süßspeisen konzipiert, eignet sich aber gleichermaßen für Produkte, die in Europa verankert sind. Die Technik daran anzupassen, war denkbar einfach. Das war unser Ausgangspunkt. Heute bieten wir Bäckereien ein breites Spektrum unterschiedlicher Lösungen an. Aufbauend auf dem Erfolg der Encrusting-Maschinen führten wir die „Stress free-Technologie“ in Europa ein. Zu jener Zeit war es üblich, dass die Maschinenbauer von ihren Kunden erwarteten, dass Rezepturen und Produktionsabläufe an die jeweilige Maschinentechnik angepasst wurden. Wir beschlossen, dem näher auf den Grund zu gehen, und entwickelten nach umfangreichen Recherchen Anlagen, die eigens auf die Bedürfnisse europäischer Bäcker zugeschnitten waren. In den USA verfolgten wir eine ähnliche Strategie. Unser Unternehmensgründer, Herr Hayashi, setzte auf der Grundlage der gewonnenen Informationen ein Gesamtbild zusammen – fast wie ein Künstler, könnte man sagen. Er hörte genau hin, was die Kunden in Europa und den USA zu berichten hatten. Ideen wurden sowohl an die Gegebenheiten beider Märkte als auch an die Backtraditionen in aller Welt angepasst.
Mihu: Welches waren die ersten Produkte in Europa, für die Sie die Gelegenheit sahen, Rheon-Maschinen anzubieten? Und wie hat sich der Markt seither entwickelt?
Takeharu Shinga: Encrusting-Maschinen wurden zur Herstellung von Knödeln im Markt eingeführt, z. B. für Kartoffelklöße, die in Deutschland weit verbreitet sind. Zu den weiteren Spezialitäten zählten Piroggen, Kekse sowie verschiedene Süßspeisen. Wir begannen damit, Aufklärungsarbeit zu leisten, Betrieben die Funktionsweise der Maschinen zu zeigen. Heute verfügen wir über eine große Auswahl an Anlagentypen, die wir flexibel an Kundenanforderungen anpassen können. Im Wesentlichen stehen für uns mittlerweile drei Lösungsbereiche im Mittelpunkt: Encrusting-Maschinen, industrielle Fertigungslinien für Brot und Backwaren sowie kompakte Bäckereianlagen – alle drei Segmente sind äußerst erfolgreich.
„Unser Gründer wählte den Namen Rheon voller Stolz, weil wir die Rheologie beherrschen. Wann immer ein Mitarbeiter bei uns im Unternehmen anfängt, ist dies der Ausgangspunkt: Jeder beginnt zunächst in der technischen Abteilung und macht sich mit den Abläufen vertraut. Das gibt es in keinem anderen Unternehmen.“
Takeharu Shinga
Mihu: Rheons europäische Tochter betreut nicht nur Europa, sondern auch Afrika und den Nahen Osten. Wie koordinieren Sie die Marktbearbeitung von Deutschland aus?
Takeharu Shinga: In fast jedem Land haben wir eine Vertretung, mit der uns eine langjährige gemeinsame Geschichte verbindet. Da sie unsere Anlagen kennen, verlassen wir uns darauf, dass sie vor Ort gewissermaßen die Rolle einer Tochtergesellschaft übernehmen und noch dazu die Landessprache sprechen und deren Kultur verstehen. Darüber hinaus bilden wir sie schrittweise aus, sodass sie in der Lage sind, auch neue Konzepte und Produkte vorzuschlagen. Wir organisieren regelmäßige Treffen, um Informationen auszutauschen und neue Anlagen zu präsentieren. Anhand der Informationen, die wir sowohl von unseren Vertretungen als auch direkt von den Bäckereien erhalten, können wir Markttrends frühzeitig erkennen und neue Ideen entwickeln.
Mihu: Wie könnte nach der Expansion von Japan aus in die USA und nach Europa die weitere Entwicklung von Rheon aussehen?
Takeharu Shinga: Wir verfügen bereits über eine Niederlassung in Taiwan sowie ein Servicebüro in Shanghai, das den Vertrieb und die technischen Dienstleistungen in China übernimmt. Sollte der Markt in Afrika oder anderen Regionen wachsen – warum nicht? Die Unternehmensleitung in Japan prüft derzeit alle Optionen.
Führungswechsel bei Rheon Europe
Im Rahmen unternehmensweiter organisatorischer Änderungen ist Hideaki Oshima zum neuen Präsidenten der RHEON AUTOMATIC MACHINERY GmbH ernannt worden. Er vertritt jetzt das Unternehmen in Europa und löst in dieser Funktion Takeharu Shinga ab. Zuvor war Hideaki Oshima als Leiter der Vertriebsabteilung bei Rheon tätig. Takeharu Shinga fungiert nun seit April 2026 als Operating Officer, Director of Development & Designing Department. Die Abteilung hat ihren Sitz in Japan.
„Bei Backwaren liegt unser Vorteil darin, Produkte von höherer Qualität zu erzeugen – durch längere Fermentation, einen höheren Hydratationsgrad und die Verwendung von Sauerteig. Genau hier spielen unsere Maschinen ihre Vorteile aus.“
Takeharu Shinga
Mihu: Welche Aspekte stehen derzeit in den drei von Ihnen angebotenen Maschinenkategorien besonders im Fokus? In welchen Bereichen sehen Sie Wachstumspotenzial?
Takeharu Shinga: Zwar können wir unseren Kunden konkrete Produktlösungen vorschlagen, unsere Anlagen zeichnen sich aber vor allem durch ihre Flexibilität aus. In der Pandemie, als andere Maschinenbauer mit rückläufiger Nachfrage zu kämpfen hatten, sind wir z. B. gewachsen. Das ist uns nur gelungen, weil unsere Kunden bei ausbleibendem Erfolg eines Produkts schnell auf das nächste umstellen konnten und dann auf das übernächste und so weiter. Genau hierin liegt unsere Stärke. Am Markt hat sich bestätigt, dass diese Art Flexibilität zunehmend gefragt ist. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Vor einigen Jahren war Mochi-Eiscreme in Japan sehr beliebt. Die passenden Maschinen dazu kamen von uns. Zwar haben wir die Anlagen damals auch im internationalen Markt angeboten, das Interesse daran wächst aber erst jetzt, also Jahre nach der ursprünglichen Markteinführung.
Ein Hersteller aus UK interessierte sich eines Tages für Mochi-Eiscreme und beschloss, das Produkt am Markt zu testen. Das Konzept ging auf. Der Markt wächst heute – nicht zuletzt dank TikTok-Videos. Wir sind im Grunde nur ein Maschinenbauer, der Vorschläge machen kann. Letztlich liegt es in der Hand der Kunden, neue Märkte zu erschließen. Der Trend zu Mochi-Eiscreme greift nun auch auf andere Länder über – von Rumänien bis hin zu Griechenland oder Russland. Das Produkt entwickelt sich zu einem festen Bestandteil im Standardsortiment von Supermärkten, nicht bloß in Fachgeschäften. Im Bereich Backwaren liegt unser Vorteil darin, dass Bäckereien mit unseren Maschinen Produkte mit hoher Qualität herstellen können, z. B. durch längere Fermentation, höhere Teigausbeute oder den Einsatz von Sauerteig. Solche Teigarten lassen sich maschinell nur schwer verarbeiten. Genau hier liegt unsere Stärke. Wenn Kunden zu Testläufen zu uns kommen, haben sie meistens keine hohen Erwartungen. Wer aber die Testergebnisse auf unseren Maschinen zu Gesicht bekommt, ist erstaunt, was machbar ist. Mit unseren Lösungen für die Kategorie der höherwertigen Produkte konnten wir große Erfolge verbuchen.
Mihu: Wie lässt sich eine solche Lösung in ihrer ursprünglichen Ausführung nutzen? Wie kann sie im Laufe der Zeit angepasst werden?
Takeharu Shinga: Die Maschine ist bereits so flexibel, dass sie keinerlei grundlegender Änderungen bedarf. Sollten dennoch Modifikationen erforderlich sein, halten wir diverse Lösungen bereit. Wir nehmen keine baulichen Veränderungen an einer spezifischen Maschine vor. Stattdessen bieten wir alternative Modelle an, die für die jeweilige Aufgabe besser geeignet sind.
Über Testreihen zum besten Ergebnis
Mihu: Welche Aspekte geben dem Rheon-Team Aufschluss darüber, welche Maschine zu welchem Produkt am besten passt?
Takeharu Shinga: Statt einer bloßen Checkliste basieren unsere Empfehlung auf unserer Erfahrung und unserem Fachwissen. Wir führen Versuche durch, analysieren gemeinsam den Prozess des Kunden und führen mit ihm Gespräche darüber, welche Ziele er erreichen möchte.
Mihu: In Düsseldorf betreiben Sie ein 2.700 qm großes Testcenter, das mit modernsten Maschinen ausgestattet ist. Welche Projekte werden hier vorrangig erprobt?
Takeharu Shinga: Das kann schwer pauschal beantwortet werden. Kürzlich kam ein Kunde zu uns, der sich lediglich die Maschinen ansehen wollte. Als er nachfragte, was wir leisten können, antworteten wir: Alles. Natürlich ist es hilfreich, eine konkrete Projektvorstellung zu haben; schließlich kann in einem zweitägigen Besuch nur eine begrenzte Anzahl an Produkten begutachtet werden. Vielleicht hilft es, zu sagen, was wir derzeit nicht vorführen können: eine Gebäcklinie. Wir haben sie verkauft und erwarten die Lieferung eines neuen Modells.
Mihu: Das ist eigentlich ein gutes Problem.
Takeharu Shinga: Der Maschinenpark in unserem Technikum wird immer vielfältiger. Da manche Kunden ihre Ausrüstung kurzfristig benötigen, bieten wir ihnen in solchen Fällen die Möglichkeit an, eine Maschine aus dem Testcenter zu erwerben.
Mihu: Wie sieht ein solcher Arbeitsbesuch im Technikum in der Regel aus?
Takeharu Shinga: Wir betreiben mehrere Testcenter. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass uns an einem Tag vier Kunden besuchen. In diesem Fall fragen wir: „Dürfen wir uns während des Besuchs überhaupt alle gegenseitig sehen?“ Oft lautet die Antwort: „Ja, warum nicht?“ Während der eine Besucher vielleicht gerade Kekse produziert, backen andere Brot. Für die Besucher kann es von Vorteil sein, sich untereinander und gemeinsam mit uns auszutauschen.
Mihu: Wie sieht die reguläre Lieferzeit aus, wenn keine Eilsituation vorliegt – also kein „Sofortkauf aus dem Showroom“ notwendig ist? Werden die Maschinen in Japan gefertigt oder auch an anderen Standorten?
Takeharu Shinga: Die Konstruktionsabteilung und die Fertigung haben ihren Sitz in Japan. In Europa fungieren wir als Tochtergesellschaft mit eigenem Vertriebsbüro. Daher halten wir vor Ort einen Bestand an Standardmaschinen vor, um kürzere Lieferzeiten zu gewährleisten. Bei kleineren Maschinen liegt die reguläre Lieferzeit bei etwa zwei bis drei Monaten; bei größeren Anlagen sind es sechs Monate bis zu einem Jahr, je nach Größe und Komplexität.
Mihu: Welche Typen der kleineren Maschinen werden am stärksten nachgefragt?
Takeharu Shinga: Unsere Encrusting-Maschine und der VX-222 Twin Divider – eine besonders schonend arbeitende Maschine. Beide Modelle sind speziell auf den europäischen Markt zugeschnitten.
Torahiko Hayashi entwickelte 1961 die weltweit erste automatische Encrusting-Maschine und gründete 1963 die Rheon Automatic Machinery Co., Ltd.
Mihu: Und welche Trends beobachten Sie im Hinblick auf die großen Produktionslinien?
Takeharu Shinga: In Europa beobachten wir, dass neue Unternehmen an den Start gehen – insbesondere in den osteuropäischen Ländern und auf dem Balkan. Da sich der Markt in diesen Regionen zurzeit besonders dynamisch entwickelt, stehen wir dort bereits in Kontakt mit potenziellen Kunden. Wir verfügen über ein sehr breites Spektrum an Anlagen für die Herstellung von Croissants und Brot bis hin zu Linien für Pita und Fladenbrot. Wir decken also eine enorme Vielfalt an Produkten ab. Genau darin liegt für mich der besondere Reiz unserer Arbeit.
Mihu: Beschäftigen Sie jeweils Spezialisten für den einen oder anderen Produkttyp, wenn z. B. Besucher zum Testen nach Düsseldorf kommen?
Takeharu Shinga: Wenn ein neuer Mitarbeiter zu uns stößt, beginnt er natürlich zunächst in einem bestimmten Fachbereich. Heutzutage entwickeln jedoch alle Mitarbeiter eine zunehmende Flexibilität im Umgang mit den Maschinentypen. Beispielsweise stellen wir einen deutschen Bäckermeister ein, um Backspezialitäten abzudecken, die speziell am deutschen Markt relevant sind. Mittlerweile bietet sich diesen Mitarbeitern aber auch die Gelegenheit, sich intensiv mit einer anderen Maschine oder einer großen Produktionslinie für Croissants zu befassen. Jeder erweitert auf diese Weise kontinuierlich sein Fachwissen.
Mihu: Welche weiteren Dienstleistungen können Sie – ergänzend zur Konzeptionierung von Produktionslinien – noch anbieten?
Takeharu Shinga: Wir schulen das Bedienpersonal und führen Tests mit den Produkten durch, die der Kunde herstellen möchte. Auch nach der Installation stehen wir ihm unterstützend zur Seite, wenn z. B. ein neues Produkt eingeführt wird und technische Schwierigkeiten auftreten oder bestimmte Feineinstellungen erforderlich sind.
Hohe Standards
Mihu: Am Anfang der Rheon-Firmengeschichte stand die Encrusting-Maschine. Sie war der Ausgangspunkt für die Gründung der Rheon Automatic Machinery Co., Ltd. Was sind die jüngsten Verbesserungen und wie haben Sie die Maschine an den europäischen Markt angepasst?
Takeharu Shinga: Für den europäischen Markt berücksichtigen wir die Tatsache, dass das Bedienpersonal mitunter unerfahren oder wenig geschult ist. Daher muss die Maschine robust, einfach zu bedienen und leicht zu reinigen sein. Zudem passen wir uns an, um den Anforderungen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gerecht zu werden. Die verbauten Motoren sind als „Eco-Motoren“ ausgelegt. Und unsere Anlagen verbrauchen im Vergleich zu anderen deutlich weniger Energie. Außerdem ist die Leistungsfähigkeit eigentlich höher, als sie in den technischen Datenblättern angegeben ist. Im Datenblatt des Twin Dividers steht z. B., dass er 800 kg Teig pro Stunde verarbeiten kann. Das gilt jedoch für jede Art Teig. Bei Teigen mit höherer Dichte liegt die Leistungsfähigkeit wesentlich höher. Wir könnten zwar 2 Tonnen pro Stunde angeben, entscheiden uns jedoch bewusst dagegen, mit den absolut höchstmöglichen Zahlen zu werben – nur, weil diese auf dem Papier vielleicht besser aussehen würden.
Mihu: Rheon scheint generell eine eher „zurückhaltende“ Kommunikationsstrategie zu bevorzugen. Stimmt das?
Takeharu Shinga: Wir legen großen Wert darauf, unsere Vertriebspartner umfassend zu schulen und durch strenge Tests sicherzustellen, dass sie die Funktionsweise der Anlagen genau verstehen, damit sie deren Leistungsfähigkeit korrekt vermitteln können. Wir möchten keine übertriebenen Behauptungen aufstellen oder öffentlich zu sehr ins Detail gehen; stattdessen entscheiden wir uns dafür, unsere Vertriebspartner und Kunden direkt zu informieren. Wir ziehen diesen Ansatz vor. Damit schützen wir zugleich unsere wertvolle Forschungsarbeit sowie die daraus resultierende Technologie davor, kopiert zu werden.
Mihu: Wie unterstützen Ihre Ingenieure Bäckereien dabei, maßgeschneiderte Linien zu kreieren?
Takeharu Shinga: Wir erfassen sämtliche Details zu Produkten und Prozessen und analysieren sie. Während die Linien selbst in Japan gefertigt werden, arbeiten wir vor Ort mit einem Kooperationspartner zusammen, um gemeinsam auf die spezifischen Kundenanforderungen eingehen zu können. Je nach Komplexität der Gesamtanlage kooperieren wir zudem mit verschiedenen Unternehmen, um Komponenten zu integrieren, die nicht von Rheon, sondern anderen Zulieferanten gefertigt werden.
Das Innovations-Mindset
Mihu: Ich möchte gerne einen Blick auf den Bereich Forschung und Entwicklung werfen, da Sie sowohl über eine globale Reichweite als auch über lokales Fachwissen und Erfahrung verfügen. Hier in Europa haben Sie die Möglichkeit, eine Fülle vielfältiger Informationen aus Märkten mit ganz unterschiedlichen Backtraditionen zu sammeln. Wie genau ist der F&E-Workflow bei Ihnen strukturiert?
Takeharu Shinga: In Japan verfügen wir über eine leistungsstarke technische Abteilung, die sich sowohl mit mechanischen Entwicklungen als auch mit der Produktion befasst. Dort werden die Maschinen entworfen und konstruiert. Die Mitarbeiter kennen jedes noch so kleine Detail. Zudem arbeiten sie beispielsweise gemeinsam mit Rohstoffherstellern zusammen an neuen Konzepten. Auch in Europa haben wir erfahrene Mitarbeiter, die auf der Grundlage ihrer lokalen Erfahrungen neue Ideen einbringen. Diese Erkenntnisse teilen sie mit dem Team in Japan, wo alle Informationen zusammenlaufen. Der „VX-222 Twin Divider“ beispielsweise befindet sich bereits in der vierten oder fünften Generation. Anfangs war er eine eher einfache Maschine, die durch Zusammenarbeit schließlich zu einem hochmodernen, äußerst vielseitigen System weiterentwickelt wurde.
V4 Stress Free-Abwieger und -Teigteiler
Rheon Modell VX-222 Twin Divider
Die VX-222 Twin Divider portionieren das Teigband exakt nach Gewicht oder Länge. In Verbindung mit dem gravimetrischen® Wiege- und Schneidesystem von Rheon ermöglicht das doppelreihige Design die Herstellung von Produkten verschiedenster Gewichte. Die Anlagen werden in der Brotproduktion 1-reihig und bei Produkten mit geringem Gewicht 2-reihig betrieben.
Die Zeit fließt weiter
Mihu: Der Name des Unternehmens leitet sich von Rheologie ab – vom Verständnis dafür, wie Teig funktioniert. Wurde der Name „Rheon“ gewählt, um genau diese Philosophie widerzuspiegeln?
Takeharu Shinga: Unser Gründer wählte den Namen Rheon voller Stolz, weil wir die Rheologie beherrschen. Für jeden, der neu ins Unternehmen kommt, bildet dies den Ausgangspunkt. Zunächst beginnt jeder in der technischen Abteilung und macht sich mit den Abläufen vertraut. Erst danach wechselt man in die Fachabteilung. Selbst das Designteam durchläuft die technische Abteilung. Das ist in keinem anderen Unternehmen üblich. Wer im Designbereich arbeiten möchte, muss zunächst verstehen, warum ein bestimmter Prozess notwendig ist, weshalb spezifische Bauteile benötigt werden und so weiter. Technologische Spitzenleistungen und High-End-Funktionen lassen sich auf lange Sicht nicht aufrechterhalten, wenn das grundlegende Verständnis für das Material, mit dem man arbeitet, fehlt.
Mihu: Das gerahmte Porträt des Rheon-Gründers Torahiko Hayashi, das in Düsseldorf in der Eingangshalle hängt, zeugt von genau dieser Fokussierung auf die Technologie. Wie wird dies wahrgenommen?
Takeharu Shinga: Die Perspektive des Ingenieurs dient dem Kunden am besten, da sie es ermöglicht, auf Grundlage sachlicher Argumente auf individuelle Anforderungen einzugehen und Probleme zu lösen. Unsere Kunden schätzen diesen Ansatz. Während sie sich anfangs vielleicht noch gefragt haben, warum sie Anlagen aus Japan beziehen sollten – insbesondere angesichts der zahlreichen Alternativen in Europa –, erschließt sich ihnen der tiefere Sinn spätestens dann, wenn wir die Zusammenarbeit aufnehmen. Es bedurfte erheblicher Anstrengungen, diese Tür zu öffnen. Ich bin seit 1996 im Unternehmen tätig und erinnere mich noch gut an die Schwierigkeiten, die wir damals zu bewältigen hatten. Unser zentrales Argument war die Wissenschaft: Anhand unserer Studien und Analysen können wir genau darlegen, warum die von uns präsentierte Lösung die richtige Wahl für den jeweiligen Kunden ist. Wir trafen auf Menschen, die offen dafür waren, uns zuzuhören und unsere Maschinen in der Praxis zu erproben. Schritt für Schritt gewannen wir so in jeder unserer Anlagenkategorien wichtige Schlüsselkunden hinzu. Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich vor allem das Zusammentreffen Gleichgesinnter und die Begegnung mit Pionieren, die mit uns auf Augenhöhe agierten. Sie begannen damit, die von uns empfohlenen Lösungen auszuprobieren. Der Mut, Neues zu wagen, ist von entscheidender Bedeutung. Heutzutage werden wir in Europa nicht mehr zwangsläufig als rein japanisches Unternehmen wahrgenommen. Der Name „Rheon“ verrät nicht unsere geografische Herkunft, sondern beschreibt vielmehr unser Tätigkeitsfeld. Wir sind nunmehr seit über 55 Jahren hier vor Ort präsent, betrachten Sie uns daher ruhig als ein deutsches Unternehmen – wenngleich eines, das nach wie vor von einer zutiefst japanischen Mentalität und Philosophie geprägt ist. Das leben wir in enger Zusammenarbeit mit unseren deutschen Mitarbeitern.
Der Rheon-Unternehmenssitz in Düsseldorf
Der europäische Markt
Mihu: Sie haben 1996 Ihre Tätigkeit in Deutschland aufgenommen und haben von 2022 bis März 2026 hier als Geschäftsführer fungiert. Welche Meilensteine prägten Ihre Arbeit bei Rheon in der Zeit?
Takeharu Shinga: 1996 war ich in der technischen Abteilung tätig, bevor ich in den Vertrieb wechselte. Unmittelbar danach ging ich für sechs Jahre in die USA, um dort den Markt zu betreuen, und kehrte anschließend nach Japan zurück, wo wir eine Marketingabteilung aufbauten. Mit all den Erfahrungen aus diesen Jahren kehrte ich schließlich nach Deutschland zurück – bereit, die Leitung der hiesigen Niederlassung zu übernehmen.
Mihu: Sie blicken auf eine lange gemeinsame Geschichte mit der deutschen Niederlassung zurück. Inwiefern kommt Ihnen dies bei Ihrer aktuellen Arbeit zugute?
Takeharu Shinga: Genau das ist der entscheidende Punkt: Ich kenne sowohl den Markt als auch die Menschen. Dieses Wissen bildet nun die Ausgangsbasis für die Zusammenarbeit mit neuen Kunden.
Mihu: Welche strategischen Anpassungen haben Sie vorgenommen, seit Sie das Ruder bei Rheon Europe übernommen haben?
Takeharu Shinga: Ein wesentlicher Schritt war die Steigerung unserer Sichtbarkeit. Ich arbeite derzeit daran, die Art und Weise unserer Kommunikation neu auszurichten. In diesem Zusammenhang haben wir auch die Farbe unseres Logos geändert: von Grün zu Blau. Früher nutzten wir in jedem Markt unterschiedliche Farben: Grün in Europa, Blau in Japan, Gold in den USA und Rot in Asien. Einer der Gründe für diese marktspezifische Farbwahl lag darin, dass sich die Portfolios voneinander unterschieden. Heute sind dank der Digitalisierung alle Informationen weltweit zugänglich. Unser neuer Präsident, Herr Kobayashi, gab daher die Devise aus: „Lasst uns weltweit gemeinsam und unter einer einzigen Farbe voranschreiten!“ Und so wird nun unser Erscheinungsbild blau.
Mihu: Wie arbeiten die verschiedenen Niederlassungen zusammen? Wie eigenständig arbeitet jede Tochtergesellschaft?
Takeharu Shinga: Wir erfassen und nutzen zwar Informationen, doch da die Märkte unterschiedlich sind, lassen sich Ideen nicht einfach so übertragen. Dennoch wissen wir genau, womit sich die anderen Niederlassungen befassen.
Mihu: Und wie hat sich die Zusammenarbeit mit den Kunden verändert?
Takeharu Shinga: Unser Ansatz besteht darin, uns stärker darauf zu konzentrieren, was der Kunde uns mitteilt. Natürlich haben auch wir unsere eigene Ausrichtung und Botschaften, die wir vermitteln möchten. Doch wir hören noch aufmerksamer zu. In Japan gibt es dazu eine alte Geschichte: Wird die Sonne oder der Wind die Menschen dazu bewegen, ihre Mäntel abzulegen? Bei ausreichend starkem Wind legen sie diese vielleicht tatsächlich ab. Doch der einfachere Weg führt über die Sonne. Denn gegen sie werden sich die Menschen nicht sträuben.
„Die ‚Stress-Free‘-Teigzuführung transportiert den Teig allein durch dessen Eigengewicht weiter. Die Schwerkraft übernimmt die Arbeit. Anschließend bewegen die Walzen den Teig langsam vorwärts, ohne ihn dabei zu schieben oder Druck auf ihn auszuüben. Wir lassen den Teig einfach fließen. Nach diesem Prinzip funktioniert unsere Brotlinie. Sie wurde für die Verarbeitung von Teigen mit hoher Teigausbeute entwickelt und für ein Produkt, das heutzutage zu den größten Trends in Europa zählt.“
Takeharu Shinga
Neuheiten am Markt …
Mihu: Auf der europäischen Website sind mehrere Lösungen aufgeführt, die in Kürze erhältlich sein werden. Eines davon ist eine Ciabatta-Anlage. Wann ist voraussichtlich mit ihrer Verfügbarkeit zu rechnen?
Takeharu Shinga: Auf dem asiatischen Markt werden die Lösungen bereits angeboten. Wir verzeichnen dort zunehmend eine Nachfrage nach bestimmten Backwaren wie gefüllte Brioche. Für die Herstellung dieser Produkte kommt die AD-Linie zum Einsatz, eine Anlagenreihe, die die V4-Serie mit der Cornucopia-Serie kombiniert. Dieses Konzept bringen wir nun auch in Europa auf den Markt.
Mihu: Der Brotmarkt ist ein hart umkämpftes Terrain. Welche Merkmale zeichnen die Anlagen von Rheon besonders aus?
Takeharu Shinga: Unser „Stress-Free“-Extruder bildet die zentrale Basiskomponente und zugleich das grundlegende Konzept hinter all unseren Brotanlagen. Den Einstieg in dieses Segment fanden wir über einen europäischen Kunden, der ein bestimmtes Produkt auf Basis eines Teigs mit hoher TA herstellen wollte, dafür jedoch keine passende technische Lösung fand. Statt die Umsetzung als unmöglich abzutun, sagten wir: „Lassen Sie es uns versuchen!“ Unser Unternehmensgründer machte dies schließlich durch gezielte
Anpassungen der Prozessabläufe möglich. Die „Stress-Free“-Teigzuführung transportiert den Teig allein durch dessen Eigengewicht weiter. Die Schwerkraft übernimmt die Arbeit. Anschließend bewegen die Walzen den Teig langsam vorwärts, ohne ihn dabei zu schieben oder Druck auf ihn auszuüben. Wir lassen den Teig einfach fließen. Nach diesem Prinzip funktioniert unsere Brotlinie. Sie wurde für die Verarbeitung von Teigen mit hoher Teigausbeute entwickelt und für ein Produkt, das heutzutage zu den größten Trends in Europa zählt.
Mihu: Was können Sie uns über Ihre derzeitigen Pläne für Europa verraten? Was steht auf Ihrer Agenda?
Takeharu Shinga: Unser Geschäft läuft gut, unsere Umsätze steigen. Wir stellen laufend neue Anlagen vor, und schon bald wird es neue Produkteinführungen geben, einige davon sind auf unserer Website noch gar nicht zu finden.
… und neue Ideen
Mihu: Japan bietet wohl die weltweit größte Vielfalt im Bereich Snacking. Sehen Sie Trends, die ihren Weg nach Europa finden könnten, so wie Sie es bei Mochi beobachtet haben?
Takeharu Shinga: Es gibt immer wieder Anfragen zu Produkten, die ursprünglich in Japan entstanden. In solchen Fällen verkaufen wir unsere großen Produktionslinien; bei anderen Gelegenheiten laden wir die Kunden nach Japan ein, dorthin, wo auch unsere Werksabnahmen stattfinden. Während dieser Zeit bietet sich uns natürlich die Gelegenheit, Marktforschung zu betreiben und gemeinsam Supermärkte zu besuchen. Dort können unsere Kunden eine Fülle neuer Ideen entdecken – Produkte, die für uns technologisch gesehen zum Standardrepertoire gehören. Die Kunden sind oft überrascht, wenn sie erfahren, dass sie bestimmte Produkte mit ihren eigenen Rheon-Maschinen herstellen können, wenn sie sie nur etwas anpassen.
Mihu: Zusätzlich zu den Besuchen in Japan organisieren Sie hier in Düsseldorf Veranstaltungen. Im Februar standen bei Ihnen einige Events auf dem Programm. Wie genau sind diese organisiert?
Takeharu Shinga: Es sind Inhouse-Events, die sich über zwei oder drei Tage erstrecken. Wir konzentrieren uns auf unterschiedliche Themen aus unseren drei Geschäftsbereichen – so drehte sich beispielsweise eines der jüngsten Seminare um das Teigteilen.
Mihu: Welche Chancen sehen Sie derzeit für die voranschreitende Automatisierung in der Backwarenherstellung?
Takeharu Shinga: Ich sehe weltweit zahlreiche Chancen. Die Entwicklungen gestalten sich von Fall zu Fall unterschiedlich. Bei meinen Werksbesuchen stelle ich fest, dass der Platz oft einen limitierenden Faktor darstellt. Bäckereien möchten zwar in eine stärkere Automatisierung investieren, ziehen es jedoch vor, dies innerhalb ihrer bestehenden, oft eher kleinen Betriebsstätten zu realisieren

